Post-Covid nach der Impfung

Post-Covid nach der Impfung

Ich bin seit Jahren chronisch krank mit MCAS (Mastzellaktivierungssyndrom) CFS (Chronic Fatigue Syndrom), multiplen Allergien und Unverträglichkeiten, auch gegen viele Medikamente und einiges mehr.

Dennoch ging es mir bis Ende Juni 2021 so gut wie seit Langem nicht mehr, ich konnte sogar die MCAS Basismedikation reduzieren und das CFS hatte ich bis auf ein paar „kleinere Crashs“ mit Pacing (Einteilen der Energiereserven) ganz gut im Griff.

Das war auch ein Grund, warum ich mich letztendlich nach monatelanger gründlicher Überlegung FÜR die Impfung entschieden habe.

Aufgrund meiner Vorgeschichte (zwei anaphylaktische Schocks 2010 und 2013, sowie mehrere Anaphylaxien) versuchte ich im Vorhinein schon eine Ansprechperson zu finden, die dann letztendlich nach Zusendung sämtlicher Befunde mit der leitenden Ärztin im Impfzentrum Kontakt aufnahm und dort alles TOP für mich organisierte.

Am 4.7. wurde ich unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen (orale Prämedikation eine Stunde vor der Impfung, venöser Zugang inkl. Infusion, verlängerter Nachbeobachtungszeit von 1 Std. und Notarzt-Anwesenheit) in einem separaten Raum im Liegen zum 1. Mal mit Biontech/Pfizer geimpft.

Die ersten 30 Minuten min ging es mir blendend und ich rief bereits meinen Papa an, dass er sich schon auf den Weg machen könne, um mich abzuholen.

Nach 35 Minuten min kam es dann allerdings – plötzlich von einem auf den anderen Moment – zur beginnenden Anaphylaxie mit starker Unruhe, verschwommenen Sehen, starken Schwindel und Kopfschmerzen, Hitzewallungen im Gesicht, Druck- und Engegefühl in der Brust, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Schüttelfrost und Kribbeln im ganzen Körper. Die anwesende Notärztin verabreichte sofort die bereitgestellten Medikamente und konnte somit sicher Schlimmeres verhindern.

Als mein Papa kurze Zeit später eintraf, ging es mir bereits richtig schlecht und der Notarzt-Transport ins Krankenhaus wurde gerade organisiert. Da aktuell kein NA frei war, begleitete mich die anwesende Notärztin, die mich auch geimpft hatte ins Krankenhaus.

Sie und ihr gesamtes Team im Impfzentrum waren echt toll, menschlich, einfühlsam und kompetent – ein großes Lob nochmal an dieser Stelle. Als Dankeschön gab es von mir eine selbstgemachte Corona-Virus-Torte, als es mir wieder besser ging, worüber sie sich sehr freuten.

Im Krankenhaus angekommen wurde gleich Blut, ein Antigen und PCR Test abgenommen und von der Notaufnahme ging es übers Röntgen direkt auf die Intensivstation zur Überwachung.

Von der Nacht dort, weiß ich nicht mehr allzu viel, ich war ziemlich weggetreten. Immer wieder hörte ich mal den Monitor alarmieren, bekam Medikamente gegen die massiven Kopfschmerzen, wechselte zwischen Hitzewallungen und Schüttelfrost und wurde ständig von der nervigen RR-Messung (alle 15 Minuten) aus meinem Dämmerschlaf gerissen. Irgendwann war auch diese Nacht um und ich wurde auf die Normalstation verlegt.

Und wie es der Zufall so wollte, war der visitierende Arzt dort auch am Aufbau der österreichischen Impfstraßen beteiligt und bot mir sofort an, die 2. Impfung für mich stationär zu organisieren – sofern sie vom beratenden Ärzteteam freigegeben würde.

Zwei Wochen war ich nach der 1. Impfung komplett „ausgeknockt“ (massive Kreislaufbeschwerden mit Kollapsneigung, Kopfschmerzen, Dauerfrieren auch bei 30 Grad!, Appetitlosigkeit und extremes Schlafbedürfnis).

Danach ging es mir eine Woche relativ gut und langsam kam meine Kraft und Energie zurück.

Am 26.7. bekam ich die 2. Impfung dann direkt auf der Intensivstation unter Schockbereitschaft, iv. Prämedikation (H1-Antihistaminikum und hochdosiertes Cortison), sowie 24 Stunden Überwachung. Es kam diesmal zwar zu keiner Akutreaktion, gut ging es mir aber trotzdem nicht . Ich hatte vier Tage die üblichen Impfreaktionen (Kopfschmerzen, Impfarm, Fieber, Müdigkeit…), danach war aber alles wieder gut.

Der „Frieden“ hielt allerdings nicht lange an. Denn keine 12 Stunden später fieberte ich plötzlich mit starkem Krankheitsgefühl bis 39 Grad an, kombiniert mit extremer Erschöpfung, massiven Kopfschmerzen, Halsschmerzen, deutlich geschwollenen Lymphknoten vor allem am Hals, bleierne Müdigkeit, geringe körperliche Belastbarkeit uvm.

Eine Woche später wurde Blut abgenommen und bei pos. EBV-IgM Antikörper die Verdachtsdiagnose akute EBV-Infektion gestellt. Ob es eine Reaktivierung oder eine frische Infektion sei, darüber sind sich die Ärzte bis heute nicht einig. Einen Zusammenhang mit der Covid Impfung sehen sie aber mittlerweile als sehr wahrscheinlich.

Zusätzlich zu den EBV Symptomen hat sich auch mein MCAS wieder deutlich verschlechtert und meine Basismedikation musste leider wieder erhöht werden. Außerdem bin ich extrem infektanfällig geworden.

Die oben genannten Symptome halten bis heute immer noch an (mittlerweile seit 6 Monaten!), wurden kurzfristig durch regelmäßige Eigenbluttherapie und vorsichtige Akupunktur (auf die ich bei beiden immer mit heftigen Histamin Schüben reagierte) etwas besser.

Ende Oktober gesellte sich zu dem Ganzen dann leider noch eine eitrige Angina dazu, die trotz Antibiotikum nicht richtig ausheilte und immer wieder mal eitrig und mittlerweile als chronisch eingestuft wurde. Insgesamt haben sich mein Allgemeinzustand und meine Symptome wieder verschlechtert und alle 3-4 Wochen gesellt sich irgendein neues „Übel“ dazu.

Kurz zusammengefasst seit der 2. Impfung – „Long-Covid“ (ohne Infektion) kombiniert mit Symptomen des Pfeifferschen Drüsenfiebers, erhöhter Infektanfälligkeit und deutlicher Verschlechterung von MCAS und CFS.

Mir ging es immer schlechter und bis auf eine pos. EBV-Serologie war mein Blut komplett unauffällig, zumindest was die gängigen Blutuntersuchungen betrifft.

Im Dezember wurde dann von mehreren Ärzten Verdacht auf Post Covid nach Impfung oder Verdacht auf Autoimmunprozess nach Impfung usw. geäußert.

Mittlerweile habe ich auf eigene Kosten „agonistische Post-Covid-Autoantikörper“ in einem Speziallabor in Deutschland bestimmen lassen und siehe da – gleich drei verschiedene dieser funktionellen Autoantikörper zirkulieren in meinem Blut (Covid 19 hatte ich nachweislich nie gehabt). Nach 6 Monaten Ärztemarathon scheint jetzt endlich eine Ursache für meine ganzen Beschwerden gefunden zu sein.

Doch die erhoffte Erleichterung blieb leider aus. Als ich von der Immunologin die zwei möglichen Therapieoptionen erfuhr (Ende Jänner) war ich einfach nur traurig, wütend, deprimiert, stinksauer, ….usw. – denn eine schnelle und einfache Lösung gibt es für diese speziellen Autoantikörper nicht.

Option 1: Immunpharese = eine spezielle Art von Blutwäsche, bei der die Autoantikörper (AAK) aus dem Blut gefiltert werden (ca. 5 Pharesen notwendig) – sehr effektiv. Problem dabei ist allerdings, dass dabei nicht nur die AAKs aus dem Blut gefiltert werden, sondern auch alle anderen Antikörper und das Immunsystem erstmal für ein paar Wochen lahmgelegt ist. Somit besteht bei aktivem EBV eine absolute Kontraindikation dafür.

Option 2: Langfristig (wie lange konnte sie mir nicht sagen) regelmäßige Gabe von intravenösen Immunglobulinen zur Unterdrückung der AAKs – erstmal alle 2 Wochen, danach 1x im Monat. Der Vorgang müsste bei mir allerdings stationär und unter allergischer Abschirmung gemacht werden, aufgrund meiner hohen Allergieneigung. Cortison hilft bei diesen speziellen Autoantikörper leider nicht.

Fotocredit: Artem Podrez/Pexels