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Unlock the Power of your Heart

Unlock the Power of your Heart

Ein berührendes Interview mit Rainer Krutti über seinen Weg zu Heartmath und die Entwicklung seines Herzens. Für alle, die wissen wollen, wie es ist aus der Kraft des Herzens heraus zu leben und wie man es lernen kann. Er erklärt uns zudem, was das mit unserer Gesundheit und Stressreduktion zu tun hat.


Wie bist du zu Heartmath gekommen?

Das ist schon eine ganze Weile her. Ich war in einer beruflichen Neuorientierungsphase. Lange Zeit war ich in der Automobilindustrie tätig. Da hatte ich das Gefühl, dass mir die Bedeutung und der Sinn dessen, was ich tue fehlt. Ich habe dann die Tatsache, dass ich etwas Neues in meinem Leben machen wollte, sehr weit interpretiert und schließlich eine Ausbildung als Osteopath und Heilpraktiker angefangen.

Anschließend merkte ich, dass mir die Welt der Unternehmen fehlt, da ich dennoch gerne in Unternehmen tätig war. So stellte sich mir die Frage, wie ich meine alte und meine neue Welt miteinander in Verbindung bringen kann. Damals gab es die ersten Seminare rund um das Thema der Work-Life-Balance und Gesundheit in Unternehmen. Bei meinem alten Arbeitgeber hatte ich dazu auch schon erste Seminare besucht. Was mir da jedoch fehlte, war etwas in der Hand zu haben, mit dem ich meinen Stress selbst regulieren kann. Die Idee des Work-Life-Balance war, dass wenn man tagsüber Stress hat, abends etwas für den Ausgleich tue.

Mir erschien es sinnvoller, etwas zu haben, womit ich in den jeweiligen Situationen meinen Stresspegel selbst regulieren kann, ohne bis am Abend damit waren zu müssen. Früher hatte ich sehr viele Momente und Phasen mit hohem Ergebnisdruck, die sehr viel Stress in mir erzeugten. Demgegenüber fühlte ich mich ausgeliefert und machtlos. Mit meinen Versuchen, mich ruhig, gelassen und zuversichtlich zu „denken“ kam ich nicht voran. 

Durch meine Recherchen bin ich auf ein Buch gestoßen. Es ist von einem französischen Neurologen. Er heißt David Servan-Schreiber. In seinem Buch „Die neue Medizin der Emotionen“ erklärt er, weshalb es so schwer ist, über den Verstand seine Emotionen zu regulieren. Unser emotionales Gehirn ist viel enger mit dem Körper verbunden, als mit dem Verstand. Deswegen ist es einfacher seine Emotionen über den Körper zu regulieren. Der Körper ist die Spielwiese der Emotionen. Dann geht es eben in beide Richtungen. Servan-Schreiber führt weiter aus, dass die erste Technik, die er in seinem Buch vorstellt, dazu geeignet ist, die emotionale Intelligenz zu verbessern. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass es genau das war, was mir fehlte. Zwar wusste ich, dass ich Angst und Stress habe, jedoch fehlte mir die Möglichkeit intelligent damit umzugehen. Daher wollte ich das unbedingt lernen.

Das Buch über emotionale Intelligenz von Daniel Goalmann fand ich auch schon sehr spannend. Ich wusste jedoch nicht, wie ich emotionale Intelligenz für mich erreiche. Servan-Schreiber schreibt in seinem Buch, dass die erste Methode eben auch hilft, das emotionale Erleben bewusster zu machen, weil es emotionale Zustände auf dem Bildschirm darstellt. Das fand ich faszinierend. In seinem Buch stellte er HeartMath vor. Von da an und seitdem bin ich so fasziniert von dieser Methode und habe mein ganzes weiteres berufliches Leben dem Aufbau von HeartMath im deutschsprachigen Raum gewidmet. Die Osteopathie Ausbildung habe ich abgeschlossen, jedoch die Essenz meiner Arbeit heute ist die HeartMath-Methode im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Meine Faszination ist heute noch viel intensiver, als sie es damals bereits war.

Warum schenkst du deinem Herzen so viel Aufmerksamkeit? Sollten wir alle unseren Herzen viel mehr Aufmerksamkeit schenken?

Das Herz ist ja von jeher als Sitz der Emotionen gesehen, wenn man auch andere Kulturen betrachtet. HeartMath hat entdeckt, dass unser Herz auf emotionale Zustände reagiert und nicht nur indem die Herzfrequenz nach oben geht, wie wenn wir wütend, oder auch verliebt sind, sondern auch das Muster im Herzschlag.

Unser Herz ist kontinuierlich dabei sich zu beschleunigen und wieder abzubremsen. Wenn man das grafisch darstellt, dann sieht das aus, wie eine Berg- und Talfahrt. Das kann sehr chaotisch aussehen. Dann haben wir eher so etwas wie ein Relief von den Dolomiten oder den Alpen. Oder es ist sehr harmonisch, dann ähnelt diese Kurve einer Sinuskurve. Das ist physiologisch und findet den ganzen Tag und die ganze Nacht über statt. Diese Erkenntnis wurde vom HeartMath-Institut im amerikanischen Kardiologenjournal, 1995, veröffentlicht. In der Folge hat man sehr viele Studien gemacht mit der Frage, was denn passiert, wenn ich meine Aufmerksamkeit mehr in mein Herz richte. Dann stellte man fest, dass das die harmonisierende Wirkung auf das Muster im Herzschlag hat, was gleichzeitig bedeutet, dass mein autonomes Nervensystem, also der Teil in meinem Körper, der dafür zuständig ist über 90 Prozent der verschiedenen Prozesse zu steuern, harmonisiert wird und in Ordnung kommt.

Gleichzeitig wird eben die Stressreaktion heruntergefahren. Allein da habe ich schon über die Verbindung mit meinem Herzen, mit dem Fokus und bestimmten Atemübungen, die herzzentriert sind, die Möglichkeit regulierend einzugreifen. Ich kann also mein emotionales Erleben regulieren, mein Stresserleben regulieren, weil es eine sehr enge Kommunikation zwischen Herz und Gehirn gibt. Es werden viel mehr Informationen vom Herzen zum Gehirn gesendet als umgekehrt. Diese Informationen sind für das Gehirn wesentlich und kommen unter anderem an der Schaltstelle unserer Stressreaktionen, nämlich der Amygdala, an. Wenn wir das Muster im Herzschlag verändern, ändert sich dadurch unser emotionales Erleben.

Wir wissen auch aus ganz alten Texten, dass dem Herzen noch eine besondere Intelligenz innewohnt. Es heißt zum Beispiel: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ All diese Texte, aus den unterschiedlichen Kulturen, zum Beispiel aus dem Sufismus, dem Christentum, dem Buddhismus und auch aus anderen Kulturen: Das Herz hat eine ganz besondere Bedeutung. Mittlerweile weiß man eben um diese Intelligenz des Herzens. Das Herz hat über 50 000 Neuronen, so wie wir sie auch im Gehirn haben. Man spricht auch von dem kleinen Gehirn im Herzen. Dieses kleine Gehirn im Herzen kommuniziert sehr eng mit dem Kopfgehirn. Wir können den Inhalt der Kommunikation aktiv beeinflussen.

Kannst du ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und uns einige deiner wertvollen Erfahrungen mit HeartMath schildern?

Durch die Verbindung mit HeartMath, und dadurch, dass ich die Methode kennenlernte, hat sich etwas in meinem Leben fundamental geändert. Genau dieses Thema der emotionalen Intelligenz: Heute habe ich ein ganz anderes Gefühl dafür, welche Gefühle in mir sind. Ich habe einen Kontakt zu meinem Körper bekommen, den ich über die Jahre verloren habe. Ich weiß jetzt, wie ich emotional ticke. Das ist das eine. Das Zweite ist, dass ich jetzt in der Lage bin emotionale Reaktionen zu steuern. Mir ist bewusst geworden, dass viele meiner Reaktionen typische emotionale Reaktionsmuster sind. Meine Großmutter wohnte mit in unserem Haus und sagte morgens, wenn ich aus dem Haus ging, immer zu mir: „Aber Rainer: Immer aufpassen.“ Dadurch ist in mir ein Grundmuster von Angst entstanden. Also ein Reaktionsmuster, welches ich mir auch antrainiert habe.

Das habe ich von meinem Umfeld abgeschaut und es hat mein ganzes Leben dominiert. Stets hielt ich Ausschau nach einer Gefahr. Diese Muster zu erkennen ist wichtig, denn genau so kann ich mir auch andere emotionale Reaktionsmuster antrainieren. Jedes Mal, wenn ich merke, dass dieses Angstmuster getriggert wird, steige ich aus dem Muster aus und gehe ganz bewusst in ein Gefühl von Gelassenheit und Ruhe. Je häufiger ich das mache, desto häufiger wird das Muster von Gelassenheit und Ruhe etabliert und das alte Muster abgebaut. Das ist ein besonders wichtiger Aspekt bei der Arbeit mit HeartMath. Eine Geschichte aus dem Nähkästchen, die ich in meiner Anfangszeit mit HeartMath erlebt habe ist folgende: Ich war mit einem Freund unterwegs. Wir sind nebeneinander gegangen und ich habe einen Karton getragen. Dann mussten wir durch eine Tür und ich bin mit dem Karton am Türrahmen hängen geblieben. Dann muss ich wohl zu mir selbst „Du Idiot“ gesagt haben. Warum sage ich das so? Mein Freund meinte: „Hast du gehört, wie du gerade zu dir selbst gesprochen hast?“ Mir war es damals nicht bewusst und ich war wirklich schockiert. Mir wurde bewusst, dass wenn er diesen Karton getragen hätte und am Türrahmen hängen geblieben wäre, ich das nicht zu ihm gesagt hätte. Von da an habe ich begonnen mir selbst zuzuhören. Es war schockierend, wie ich mit mir selbst umgegangen bin.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass die meisten meiner Stressquellen genau diese Themen sind, wo ich selbst ein schlechtes Bild von mir habe, schlecht mit mir umgehe und, dass die Reaktion von außen dazu führt, dass das in die gleiche Kerbe haut. So wurde mir klar, dass meine Selbstwertschätzung sehr gering ist. Das war, wie gesagt, in der Anfangszeit mit HeartMath. Eine der HeartMath-Techniken dient dazu Wertschätzung, Mitgefühl und Fürsorge für sich selbst aufzubauen, aber aus dem Herzen heraus. Später dann auch für andere Menschen. Aber es geht darum bei sich selbst erstmal anzufangen. Das war mein Weg. Wir können sehr viel darüber nachdenken, wo manche Sachen herkommen, oder warum was wie ist, aber das ändert noch nichts. Ändern können wir es, indem wir anfangen, anders mit uns umzugehen und das nicht nur vom Verstand her, sondern vom Gefühl her. Es geht darum ein Gefühl von Wertschätzung für mich selbst wieder mehr zu aktivieren. Das war mein Gamechanger. Die Beziehung zu mir selbst hat sich sehr verändert.

Was bedeutet Kohärenz? Was hat sich in deinem Leben verändert, seit du dich in Kohärenz übst?

Was sich verändert hat, habe ich glaube ich schon ausführlich erklärt. Kohärenz ist eben der Zustand, in dem unser Herz schlägt und schwingt, dieses gleichmäßige Auf und Ab. Das ist, wie wenn ich auf einer Hollywood-Schaukel schaukle. Das heißt es beschleunigt und verlangsamt regelmäßig seinen Rhythmus. Dieser Rhythmus wird zum Gehirn, aber auch dem ganzen Körper, Kommuniziert. Das Herz ist der stärkste Taktgeber, den wir in unserem Körper haben. Der gesamte Körper und auch das Gehirn wissen zu jeder Zeit, wie das Herz schlägt. Wenn dieses Schwingen gleichförmig ist, hat das eine regulierende Wirkung. Oder, es hat eine deregulierende und stressintensivierende Wirkung, wenn das Herz chaotisch schlägt, also die Form der Dolomiten annimmt.

Je häufiger wir in den Zustand von Kohärenz gehen, desto eher entsteht auch so eine innere Harmonie und eine innere Balance. Vielleicht noch ein bisschen mehr Erklärung: Kohärenz ist auch ein Zustand, in dem ein größerer Harmoniegrad in unserem autonomen Nervensystem besteht. Unser autonomes Nervensystem besteht aus dem Sympathikus, der das Gaspedal darstellt, also bei Aktivität und Stress aktiv ist und dem Parasympathikus, der für die Ruhe, Erholung und Zurverfügungstellung von Energie zuständig ist. Der Sympathikus hat Vorfahrt, weil er unser Überleben sichert.

Wenn ich chronisch gestresst bin, also sehr häufig auf dem Gaspedal stehe, dann zieht sich mit der Zeit der Parasympathikus zurück und wird damit geschwächt. Ein typisches Anzeichen dafür ist es, wenn Menschen sagen, dass sie am Abend oder am Wochenende nicht mehr runterkommen. Was bedeutet das? Ich komme nicht mehr runter bedeutet, dass auch wenn man sich hinsetzt und zur Ruhe kommt, innerlich noch ganz viel passiert. Wenn ich das, was ich im Außen mache, also mich hinsetze, innerlich nicht nachvollziehen kann, dann fehlt es mir an Regulationsfähigkeit. Der Parasympathikus ist geschwächt. Diesen gilt es dann zu stärken. Und das trainieren wir, wenn wir in Kohärenz gehen. Wir stärken unsere innere Bremse und sorgen so dafür, dass wir unseren Stress besser regulieren können. Aber wir verbessern auch unsere Erholungsfähigkeit. Wir schöpfen neue Kraft.

Der Parasympathikus ist auch für das Immunsystem und für die Selbstheilungskräfte zuständig. Beispielsweise weiß man, dass ein geschwächter Parasympathikus mit erhöhten Entzündungszuständen einher geht. Wir haben hier also auch eine Wirkung auf unsere Gesundheit. Ganz viele Krankheiten, oder chronische Erkrankungen, gehen einher oder sind mit verursacht von einer Disbalance im autonomen Nervensystem. Das wird auch vegetative Dystonie genannt. Diese vegetative Dystonie können wir ausgleichen, wenn wir immer wieder in den Zustand von Kohärenz gehen.

Auf eurer Website steht in großen Lettern: „Unlock the Power of your Heart.“ Welche Power steckt in unseren Herzen?

Hier vielleicht mal ein Zitat von Steve Jobs, dem Begründer von Apple. Das ist aus einer Rede an der Stanford University von 2005:

Habe den Mut deinem Herzen und deiner Intuition zu folgen. Die beiden wissen schon, was du wirklich werden willst. Alles andere ist sekundär.

Was Jobs hier beschreibt ist die Idee, dass wir Menschen intuitiv sind. Es ist klug der Intuition zu folgen. Und: Die Intuition steckt in unserem Herzen. Es ist ein sehr altes Wissen, dass die Intuition in unserem Herzen steckt. In verschiedenen Religionen ist das Herz der Ort, an dem Gott zu uns spricht, oder auch der Sitz der Seele. Unabhängig davon aber, ob man ein religiöser Mensch ist oder nicht, gibt es ja den Spruch: „Hör auf dein Herz, im Herzen hören.“ Vor einigen Jahren wurde eine sehr interessante Untersuchung am HeartMath-Institut gemacht. Da hat man Leuten Bilder gezeigt, die Emotionen auslösen. Es war ein komplexerer Aufbau. Ich versuche das hier zu vereinfachen. Es gab Bilder, die unangenehme Emotionen auslösen, wie beispielsweise Unfälle oder ein Raubtier. Und es gibt Bilder, die ein angenehmes Gefühl auslösen, wie Tierbabys, oder schöne Landschaften. Man hat diese Bilder erst gezeigt, nachdem ein paar Sekunden vergangen sind. Nachdem der Proband auf einen Knopf gedrückt hat. Dann hat man gemessen, was das Herz, also der Herzschlag oder das Herzmuster und die Gehirnwellen machen und was der Widerstand auf der Haut macht. Man stellte fest, dass das Herz reagiert, bevor das Gehirn reagiert. Wenn ein unangenehmes Bild gezeigt wurde, reagierte das Herz mit Stress. Kam ein angenehmes Bild, dann reagierte es nicht mit einer Stressreaktion.

Man konnte zeigen, dass das Herz eine besondere Bedeutung hat, schneller wahrnimmt und letztlich Teil unserer Wahrnehmung ist. Das Wissen, dass das Herz ein ganz besonderes Organ ist, ist sehr alt. Wir von HeartMath haben eine sehr einfache Möglichkeit gefunden durch die Fokussierung und bestimmte Atemtechniken, genau diese Fähigkeiten oder die Kraft des Herzens zu nutzen.

Das HeartMath-Institut forscht seit über 28 Jahren an der Herz-Gehirn-Verbindung. Was habt ihr daraus gelernt?

Wie weiter oben schon erklärt, dass es diese sehr enge Kommunikation zwischen Herz und Gehirn gibt und, dass das Gehirn darauf hört, was das Herz sagt. In den 1960er Jahren gab es schon einen Pionier der Neurowissenschaften. Das war Karl Pribram. Er sagte: „Unser Gehirn ist ein Mustererkennungssystem.“ Es werden ganz viele Signale, die zusammen ein Muster ergeben, an unser Gehirn gesendet. Auf diesen Signalen aufbauend, fällt das Gehirn seine Entscheidungen. Viele dieser Informationen, die ein Muster bilden, kommen eben aus unserem Herzen. Der Herzrhythmus ist eine wichtige Informationsquelle. Wir können auf einfache Weise Einfluss auf die Inhalte dieser Information Einfluss nehmen.

Im Alltag eines chronisch kranken Menschen kommt es häufig zu Gefühlen wie Wut, Angst, Frust und jede Menge Sorgen, sowie Stress in vielerlei Hinsicht. Was haben diese Gefühle mit unserem Herzrhythmus zu tun? Wie wirken sie sich langfristig auf unsere Gesundheit aus?

Zunächst sind diese Gefühle wie Wut, Angst, Frust und Stress in aller Regel sehr intensive. Warum sind sie intensiv? Sie wollen uns in die Handlung bringen. Es war von der Evolution nie gedacht, dass sie lange anhalten. Unser Körper wird in eine Handlungsfähigkeit versetzt, sodass er kämpfen kann, oder, dass wir fliehen können. Heutzutage sind Menschen chronisch gestresst. Sie bleiben sehr lange in einem Zustand, der nie dazu gedacht war, lange anzuhalten. Dadurch kommt es zur Überproduktion von Hormonen, die kurzfristig wichtig und gut sind, aber langfristig das Verhältnis von bestimmten Hormonen verändern, was zu ganz unterschiedlichen Erkrankungen führt.

Das amerikanische Stressforschungsinstitut geht davon aus, dass über 80 Prozent der Besuche beim Hausarzt direkt oder indirekt mit Stress zusammenhängen. Stress macht also auf Dauer krank. Das ist inzwischen erwiesen. Wir müssen Lösungen finden, um aus der Stressreaktion auszusteigen. Vor allem, weil die meisten dieser Stressreaktionen eine Überinterpretation der aktuellen Situation sind. Wir kennen das alle. Wenn wir mit einem neutraleren Blick darauf schauen würden, oder bei anderen Menschen sehen, wie sie in bestimmten Situationen reagieren, dann erkennen wir, dass die Reaktion nicht mehr angemessen ist und überreagiert wird. Das liegt daran, dass in unserem emotionalen Gehirn eine Interpretation stattfindet. Diese Interpretation basiert häufig auf alten Erfahrungen und Glaubenssätzen. Dann kommt es zu einer Überinterpretation und das wiederum führt langfristig zu chronischem Stress.

In den letzten Wochen habe ich gelernt, dass ich allein durch meine Atmung enorm viel bewegen und einen Zustand der völligen Entspannung erreichen kann. Die Atmung hängt unmittelbar mit unserem Nervensystem zusammen. Warum ist eine gute Atmung, in Zusammenhang mit der Kohärenz, wichtig?

Es gibt einen Effekt der Synchronisation zwischen Atmung und Herzschlag. Wenn wir uns im Alltag beobachten, dann stellen wir fest, dass wir besonders in Stresssituationen sehr kurzatmig sind und unregelmäßig atmen. Wenn wir dann in eine Verlangsamung der Atmung übergehen und eine regelmäßigere Atmung haben, dann kommt es eben zur Synchronisation zwischen Atmung und Herzschlag. Und dann wird auch das Muster im Herzschlag wieder wesentlich gleichförmiger. Unsere Atmung hat schon einen ersten regulierenden Effekt auf das Muster im Herzschlag und damit auch auf die Herz-Gehirn-Kommunikation. Sie kann schon dazu führen, dass wir Stress reduzieren.

Wir kennen die Redewendung: „Mal tief durchatmen.“ Gerade dann, wenn wir gestresst sind, wobei wir hier vorsichtig sein müssen. Es ist die Ausatmung. Die „tiefe“ Ausatmung, die für eine Stressreduzierung sorgt. Es ist nicht die tiefe Einatmung. Wenn wir zum Beispiel erschrecken, was ja eine Stress- oder Überlebensreaktion ist, dann atmen wir schnell ein und halten am Ende der Einatmung die Luft an. Das fördert die Stressreaktion.

Was wir brauchen ist eine tiefe Ausatmung, um wieder in eine Entspannung zu kommen und die Stressreaktion zu stoppen.

Ihr habt zur Wirksamkeit von Herz-Kohärenz 29 Studien, mit über 1000 chronisch kranken Patienten ausgewertet. Wie können Menschen mit diversen chronischen Erkrankungen von diesen Erkenntnissen profitieren und an Lebensqualität hinzugewinnen?

Die Auswertung haben nicht wir selbst gemacht. Es ist eine Studie, die von französischen Wissenschaftlern herausgebracht wurde, die gezeigt haben, dass sich unangenehme Emotionen reduzieren und das Stresserleben reduziert, wenn man in diese Herz-Kohärenz geht. Wir wissen, dass viele chronische Erkrankungen von Stress ausgelöst, oder zumindest intensiviert werden. Chronisch kranke Menschen wissen, dass sich ihre Symptome verschlechtern, wenn sie Stress erleben. Das können wir umdrehen. Indem wir bewusst in die Kohärenz gehen, können wir Stress reduzieren und die negativen Folgen des Stresses.

Ärzte erzählen uns gut und gerne, dass wir Stress reduzieren sollen. Wie bei allen anderen Erkrankungen auch, spielt Stress bei Urtikaria eine Rolle. Spricht man mit Patienten allgemein über die Reduktion von Stress, dann wissen sie nicht so recht, wie sie das angehen sollen. Eine alleinerziehende, berufstätige Mami mit zwei Kindern, mit einer schweren Form der Urtikaria, hat enorm viel Stress in ihrem Leben und kann an den äußeren Lebensumständen kaum etwas ändern. Was können wir in Sachen Stress, mit Hilfe von HeartMath lernen?

Es gibt diesen wunderbaren Spruch von Viktor Frankl: „Zwischen Stimulus, oder Reiz, und Reaktion, gibt es einen Raum. In diesem Raum entscheidet sich unsere Menschliche Freiheit.“ Was meint er damit? Es gibt etwas, was im Außen stattfindet. Es ist gerade in der heutigen Zeit so, dass vieles von außen auf den Menschen einströmt. Und dann kommt es zur inneren Interpretation. Zum Beispiel das „Ich schaffe es nicht.“ Meistens ist es im Moment aber „noch“ möglich. Die Idee ist einfach: „Wenn es so weiter geht, dann werde ich es nicht mehr schaffen.“ Das löst zusätzlichen Stress aus. Das heißt, es ist nicht das, was im Außen passiert, sondern erst unsere innere Interpretation der Situation, die die Stressreaktion auslöst. Im Stress geht der Körper in den Ausnahmezustand. Vor allem auch unser Herz. Es schlägt dann sehr chaotisch.

Wenn unser Körper ausflippt, dann flippt auch unser Geist aus.

Einen ausgeflippten Geist können wir nicht selbst regulieren lassen. Ein ausgeflippter Geist kann sich nicht selbst beruhigen. Zunächst müssen wir den Körper beruhigen, damit der Geist wieder beruhigt wird. Genau das lernen wir mit HeartMath: Wie kann ich meinen Körper, vor allem mein Herz, so in Ruhe und Harmonie versetzen, dass insgesamt eine Entspannung entsteht? Dann wissen wir, dass wir produktiver und leistungsfähiger sind und weniger erschöpfen. Wir müssen lernen unser Inneres zu regulieren. Wenn es gelingt unser Inneres zu regulieren, dann hat das, was von außen auf uns einströmt, nicht mehr die gleiche Wirkung.

Was passiert, wenn es uns gelingt, über einen längeren Zeitraum im Zustand der Kohärenz zu bleiben? Does Magic happen?

Die Frage ist natürlich, wie man Magie definiert. Wir wissen auf jeden Fall aus ganz vielen Studien, dass regelmäßiges Anwenden von Herz-Kohärenz, Stress und Ängste reduziert, die Widerstandskraft stärkt. Es stärkt die emotionale Flexibilität. Sogar unsere kognitiven Fähigkeiten, also die Fähigkeiten klar zu denken und kluge Entscheidungen zu fällen, werden gestärkt. Insofern: Ja, eine gewisse Form von Magie, weil ich merke, dass ich es selbst kann. Ich kann in mir selbst regulierend wirken. Wenn ich das am Bildschirm sehe, dann schöpfe ich natürlich auch von Anfang an Vertrauen. Ich sehe dann meine Selbstwirksamkeit.

Anfang des Jahres habe ich mir den MF-2 gekauft. Ich habe mich für dieses Gerät entschieden, da ich unabhängig von einem Handy sein wollte. Schon nach wenigen Tagen war ich von diesem kleinen Gerät begeistert, da es mir durch praktische Erfahrung geholfen hat, innerlich zu verstehen, was ich tun muss, um in einen kohärenten Zustand zu kommen. Mit der Zeit ist es mir gelungen diesen Zustand für mehrere Minuten am Tag aufrecht zu erhalten. Vor Kurzem habe ich beschlossen mir den Inner-Balance zu kaufen. Was ist das Besondere am Inner-Balance?

Der MF-2 ist ein separates Gerät, das ich immer bei mir habe. Da bekomme ich ein sehr einfaches Feedback in Form von farbigen Dioden, die mir zeigen, ob ich in einem roten, also innerlich unausgeglichenen Zustand bin, oder ob ich in einem grünen Zustand, also dem der inneren Ausgleichung und Kohärenz bin. Inner-Balance ist eine App, die ich zusammen mit einem Sensor an mein Handy schließen kann. Ich habe dann nur noch den Sensor bei mir und sehe auf dem Smartphone-Bildschirm, in welchem Muster mein Herz schlägt. Ich bekomme verschiedene Informationen.

Das Bio-Feedback ist deswegen so wichtig, weil sich Menschen gerade am Anfang nicht sicher sind, ob sie ihre Übungen richtig machen. Dieser Zweifel, ob man es richtig macht, löst ja schon wieder Stress aus und zieht uns aus dem Zustand heraus, den wir eigentlich haben wollen. Biofeedback hilft die Übung richtig zu machen. Das ist ähnlich wie bei Läufern, die mit dem Joggen anfangen. Sie laufen meistens mit der Puls-Uhr, weil sie nicht wirklich einschätzen können, in welchem Bereich ihre Herzfrequenz ist. Das Biofeedback, die Puls-Uhr zum Beispiel, hilft uns ein besseres Verständnis von unserem Körper zu bekommen und in besseren Kontakt mit ihm zu kommen.

Bei HeartMath geht es darum, dass wir unsere Achtsamkeit für den Körper und emotionale Reaktionen stärken. Wir können beim Inner Balance am Handy sehen, wie wir aus dieser Stressspirale aussteigen und in einen Zustand von Kohärenz kommen.

Wie häufig muss ich üben, bis ich mit den ersten positiven Auswirkungen auf meine Gesundheit rechnen kann?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil es sehr individuell ist. Klar ist, dass etwas zu tun besser ist, als nichts zu tun. Wenn ich häufiger übe, dann wird die Wirkung größer sein als wenn ich seltener übe. Gleichzeitig muss es in den Alltag passen. Eine gute Größe ist es 15 bis 20 Minuten täglich zu investieren.

Der Tag hat 96 Viertelstunden. Eine Viertelstunde davon zu nutzen ist eine gute Möglichkeit dafür, dass ich wieder in eine bessere innere Balance komme. Je häufiger ich das tu, desto eher werde ich auch eine Verbindung zu meinem Herzen aufbauen und im Alltag feststellen, dass ich auch ohne bewusst daran zu denken, immer wieder in diese Herzensverbindung komme, die eine Wirkung hat.

Gibt es etwas, was du unseren Patienten mitgeben möchtest?

Ganz wichtig ist für mich dieses Verständnis, dass ich den Körper brauche. Über meinen Körper kann ich meine Emotionen regulieren. Ich wiederhole mich jetzt, aber ich finde das wichtig: Ein ausgeflippter Körper, führt zu einem ausgeflippten Verstand. Ein ausgeflippter Verstand kann sich nicht selbst regulieren. Darum geht es! Wieder in den Kontakt mit dem Körper, vor allem mit dem Herzen, zu kommen.

Darüber muss die Erkenntnis und Erfahrung gemacht werden, dass man selbst effektiv etwas für sich tun kann. Man ist nicht von außen abhängig. Man hat die Stärke in sich. Die Stärke liegt insbesondere im Herzen. Gleichzeitig soll nicht nur auf das Herz geschaut werden. Ganz wichtig ist diese Verbindung zwischen dem Herzen und dem Gehirn. Wenn die gut funktioniert, dann führt das zu Ausgeglichenheit, Wohlbefinden und Gesundheit.

Anmerkung der Redaktion: Der Inner Balance ist eine sinnvolle Investition in die eigene Gesundheit für alle, die täglich 15 Minuten für eine besser Stressbewältigung investieren wollen. Das Gerät ist praktisch, klein und kann überall hin mitgenommen werden. Damit lässt sich jede Wartezeit auf der Ambulanz im Krankenhaus oder im Wartezimmer beim Arzt sinnvoll verkürzen. Aber auch wer stationär bleiben muss, kann die Herzkohärenzübungen in seinen Alltag einbauen und so sehr viel für sich selbst und sein Wohlbefinden tun. In einem späteren Video verraten wir Euch, was ihr noch alles mit dem Inner Balance machen könnten. Ganz nebenbei ist er auch wie wir finden nette Geschenksidee ganzjährig zu allen Anlässen.

Fotocredit: HeartMath