Das Tier in dir

Das Tier in dir

Immer wenn es hervortreten will, sich den Weg durch deine Hautschichten sucht, wehrst du dich. Du versuchst, es zu unterdrücken. Das Brennen. Das Jucken. Den Schmerz.

Tabletten, Cremes und Spritzen sind die bekannten Waffen gegen das Tier in dir.

Es ringt dich nieder, wirft dich aus der Bahn, trampelt auf dir herum. Schleudertrauma, Nackenschmerzen, die Gelenke brennen, die Augen platzen. Dein ganzer Körper fühlt sich an, als hätte es dich erwischt – auf dir herumgekaut. Aber du stehst noch. Du atmest. Du bist noch da. Ein Sabberfaden tropft auf deine Schulter. Mit einer geübten Handbewegung wischst du ihn weg.

Doch dann bricht es durch.

Dein Äußeres scheint wie von einem fremden Stern. Hat jemand Quasimodo bestellt und dich bekommen? Die Schultern hängend, der Rücken gebeugt, das eine Auge klein und das andere so groß wie ein Tennisball.

Manch einer denkt an die Dr. Jekyll und Mrs Hyde. Bei Tage eine hübsche junge Frau, aber nachts dreht und wendet sich der Körper. Hinein in eine Haut, die von einem Fluch belastet scheint. Blicke wenden sich ab. Kinder verstecken sich hinter den Beinen ihrer Mütter und zeigen mit dem Finger auf dich. Männer stehen auf, wenn du dich neben sie setzt. Fehlt nur noch, dass jemand die Mistgabel zückt. Ein Mob mit Fackeln in der Hand, der nach altehrwürdiger Tradition die Angst vor dem unbekannten feiert.

„Verbrennt das Monster auf dem Scheiterhaufen.“

Gänsehaut macht sich breit. Kälte kriecht in den letzten Zentimeter deiner Seele. Eiskristalle sind deine ewigen Begleiter.

Ich gebe dir ein neues Gefühl. Einen Gedanken. Pass schön auf.

Schließ die Augen.

Wie würde es sich anfühlen, wenn es ganz anders wäre? Könnte man es eine Gabe nennen? Oder eine Superkraft? Du wirst mich verspotten und für verrückt erklären, aber bist du nicht einzigartig?

Mach Platz in deinem Kopf. Sei nicht das, was sie erwarten. Ein einsames, gebücktes Tier, das lieber im Schatten steht, als in der Sonne zu glänzt.

Heb den Kopf. Öffne dein Herz. Wir sind mehr als unser Äußeres. Und du bist pure Eleganz. Heute normal und morgen trägst du ein Kleid, dass die Damen von Welt in Form von Echtfell über ihre faltige Haut ziehen, um ihrer Jugend zu gedenken. Sie versuchen, in eine Schönheit zu schlüpfen, die sie selbst nicht besitzen. Es ist nicht ihr Fell. Nicht ihr Muster. Nicht ihre Haut. Sie gehen über Leichen.

Du bist du. Catwoman des Alltags.

Du bist der Leopard unter den geschmeidig schönen Katzen. Ist es dir schon mal aufgefallen, dass sich die Quaddeln, die dich quälen, am Ende von innen auflösen und seine Fellzeichnung imitieren? Und dies kommt nicht von ungefähr. Du musst stark sein wie ein Löwe, um diese Krankheit zu erdulden. Du brauchst ein dickes Fell wie ein Tiger, um die Blicke zu ertragen. Aber du musst den Stolz des Leoparden besitzen, um sein Fell mit Würde zu tragen.

Lass es raus.

Das Tier in dir.