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Die systemische Reaktion auf Nickel als Ursache für Hautsymptome - systemisches Nickelallergiesyndrom

Die systemische Reaktion auf Nickel als Ursache für Hautsymptome - systemisches Nickelallergiesyndrom

Nickel ein ubiquitäres Element

Nickel ist ein Element auf unserer Erde, welches überall verbreitet ist. Als Legierung in Metallen wie Edelstahl oder Schmuck ist Nickel bekannt, auch dass bei Kontakt mit nickelhaltigen Metallen eine Kontaktallergie auf Nickel ausgelöst werden kann.

Weniger bekannt ist der Umstand, dass Nickel auch in unseren Lebensmitteln vorkommen kann, denn Nickel befindet sich im Boden, durch Vulkanausbrüche können sich Böden weiter zusätzlich anreichern.[1]

Nickel wird von Pflanzen für ihre Stoffwechselprozesse benötigt. Pflanzen reichern Nickel in der Schale außerdem ihren Blüten, Samen und Kernen an.[2]

Tiere und Menschen nehmen Nickel vorrangig über die pflanzliche Ernährung auf. Der Mensch kann durch die industrielle Verarbeitung von Lebensmitteln seine Nahrungsmittel zusätzlich noch mit Nickel anreichern.

Nickel in unseren Lebensmitteln

Wir Menschen können Nickel und Nickelverbindungen über die Nahrung, Trinkwasser und die Luft aufnehmen. Die Nahrung ist dabei die bedeutsamste Aufnahmequelle an Nickel im Körper.[3] Die Resorption von Nickel aus Lebensmitteln liegt bei 3-10 % und ist in der Schwangerschaft und Stillzeit sogar erhöht.[4][2]

Der Gehalt an Nickel in unseren Lebensmitteln kann regional sehr unterschiedlich sein. Obst, Gemüse und Getreide kann vor allem aus südlichen Regionen durch Vulkane sehr nickelreich sein.

Jedes pflanzliche Lebensmittel speichert Nickel. Hülsenfrüchte, Nüsse, Kerne und Saaten, Vollkorn, Pseudogetreide, Hirse, Haferflocken und Mais, Kakao, Kaffee, Tee, Kräuter und Gewürze gehören zu den nickelreichen Lebensmitteln.

Milchprodukte, Fleisch und Fisch sind eher nickelarm. Gemüse und Obst aus regionalem Bio-Anbau im deutschsprachigen enthält oft weniger Nickel.

Durch die industrielle Verarbeitung von Grundnahrungsmitteln können sich unsere Lebensmittel weiter mit Nickel anreichern z. B. Milch- und Eiweißpulver, einige Käsesorten und Getränke wie Säfte, Bier und Wein.

Zusätzlich können wir in unserer Küche durch metallhaltige Kochutensilien die Nickelmenge in unserem Essen weiter erhöhen. Beim Kochen mit Edelstahl kann sich durch Salz und Säure Nickel aus dem Topf lösen und ins Essen gelangen.

Ist Nickel lebensnotwendig?

Es ist wissenschaftliche noch nicht endgültig geklärt, ob Nickel für den Menschen lebensnotwendig ist. Gesichert ist jedoch, dass Nickel essenziell für Pflanzen und Mikroorganismen wie Bakterien der menschlichen Darmflora ist.[5]

Die Absorption von Nickel im Darm scheint im Zusammenhang mit den Elementen Eisen und Kobalt zu stehen.

Diskutiert wird, ob Nickel neben Eisen und Kobalt bedeutungsvoll, bei der Blutbildung in der Synthese von roten Blutkörperchen sowie als Cofaktor bei der Eisenabsorption ist.[6]

Eine ausreichende Eisenaufnahme und ein ausreichender Eisenstatus kann die Nickelabsorption einschränken.[7] Ein wichtiger Hinweis für Menschen mit systemischer Nickelallergie.

Nickel ist das Kontaktallergen Nr. 1

Kontaktallergien betreffen 27 % der Allgemeinbevölkerung in Europa. Es gibt über tausend Kontaktallergene, Nickel ist aktuell das häufigste, sogar weltweit.[8]

Die Kontaktallergie gehört nach der klassischen Einteilung der allergischen Reaktionen nach Coombs & Gell zu Typ 4 Spätreaktionen und wird durch sensibilisierte T-Lymphozyten verursacht.[9] Das bedeutet, dass Symptome nicht unvermittelt nach dem Kontakt auftreten müssen, sondern erst Stunden oder Tage später.

Wie die meisten Kontaktallergene, so ist auch Nickel ein Hapten, da es erst durch die Bindung an ein Körpereiweiß (z. B. Serumprotein, Zellmembranprotein) zum Allergen wird.[9]

Bei der Kontaktallergie auf Nickel sind Juckreiz, eine allergische Kontaktdermatitis und ein chronisches Ekzem die bekanntesten Symptome.[10]

Die systemische Reaktion auf Nickel

In der wissenschaftlichen Literatur ist seit über 30 Jahren bekannt, dass bei Personen mit Überempfindlichkeit gegen Nickel eine orale Exposition zu kontaktdermatitisähnlichen Symptomen führen kann.[11][12]

Durch die orale Nickel-Aufnahme über unseren Verdauungstrakt wird Nickel durch die Blutbahn transportiert und gelangt damit in verschiedene Gewebe und Organe unseres Körpers. Dort sitzen sensibilisierte T-Zellen, die bei einer Nickelallergie reagieren und ein hämatogenes Ekzem auslösen können, obwohl auf der Haut kein Kontakt mit Nickel bestand. Diese Reaktion kennzeichnet das systemische Nickelallergiesyndrom (SNAS).[13]

Betroffene Menschen mit Nickelallergie berichten, dass durch eine hohe orale Nickelzufuhr bereits im Magen-Darm-Trakt Symptome wie Sodbrennen, stiller Reflux, Magen- und Darmschmerzen und Durchfall, Verstopfung und unangenehme Blähungen auftreten.

Nickelarmer Lebensstil und Nickel-Karenz

Die Sensibilisierung mit Nickel bleibt wohl ein Leben lang bestehen.

Neuere Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass bei Menschen, die systemisch auf Nickel reagieren, eine Diät mit niedrigem Nickelgehalt, Symptome wie das hämatogene Ekzem, ausgelöst durch orales Nickel, durchaus positiv beeinflussen kann.[2]

Als betroffene Nickelallergikerin mit einem systemischen Nickelallergiesyndrom (SNAS) kann ich diese Beobachtungen nur bestätigen.

Eine Nickelkarenz brachte mir eine deutliche Verbesserung meiner nickelbedingten Symptome wie Juckreiz, Dermatitis und der Urtikaria. Aber auch noch unbekannte symptomatische Zusammenhänge der Nickelallergie wie Asthma und die Histaminintoleranz haben sich verbessert, was meine Lebensqualität deutlich gesteigert hat.

Die Nickel-Karenz ist eine zeitlich begrenzte strenge Diät, die auch zu diagnostischen Zwecken durchgeführt wird.[13]

Diese sehr strenge Reduktion von Nickel sollte nicht zu lange erfolgen, da sich sonst Nährstoffmangel ergeben können. Diese Diät sollte daher unbedingt unter Anleitung einer versierten Ernährungsberater*in erfolgen.

Neben der Reduktion nickelreicher Lebensmittel hat sich vor allem die Vermeidung von zusätzlichen Nickelquellen aus metallhaltigen Töpfen, Kochgeräten und Wasserkochern in meiner Beratungspraxis als freie Gesundheitsberaterin zum nickelarmen Lebensstil sehr bewährt.

Meine Erfahrungen, die meiner Klient*innen und auch die der Mitglieder meiner Online-Selbsthilfegruppe auf Facebook bestätigen ganz klar, dass auch nach der strengen Karenz die Vermeidung von metallhaltigen Koch- und Küchenutensilien dazu beiträgt, dass die Toleranz gegenüber Lebensmitteln steigen kann, da die individuelle Nickel-Schwelle durch die zusätzliche Metallreduktion, weniger gesteigert wird.

Der nickelarme Lebensstil unterscheidet sich dahingehend von der zeitlich begrenzten Nickel-Karenz, dass nicht nur das Nickel durch unsere Lebensmittel im Fokus steht, sondern weitere Kontaktmöglichkeiten wie die durch inhalatives Nickel z. B. aktiver und passiver Zigarettenrauch, Metalle im Mund und im Körper z. B. Metallkronen, Knochenschrauben und Implantate auch bedeutungsvoll sein können.

Diese Quellen können nickelsensible Menschen trotz nickelarmer Ernährung belasten und sollten bei einem ganzheitlichen Therapieansatz unbedingt berücksichtigt werden.

Wie viel Nickel benötigen wir?

Die Ausscheidung von Nickel erfolgt über Schweiß und Galle, zu einem sehr großen Teil über den Stuhl und auch über die Nieren wird Nickel mit dem Urin ausgeschieden.[4][6][14]

Grundsätzlich ist es so, dass nickelreiche Lebensmittel nicht komplett gemieden werden müssen. Das ist auch nicht möglich.

Nach Symptomfreiheit sollten auch wieder nickelreichere Lebensmittel bis zur persönlichen Verträglichkeit in den Speiseplan integriert werden. Bei zusätzlichen Allergien und Intoleranzen können Nahrungsergänzungsmittel in Absprache mit dem behandelnden Arzt Nährstoffmängel ausgleichen.

Der tägliche Bedarf an Nickel über die Ernährung wird auf 25-30 µg Nickel geschätzt.[5] Selbst bei einer strengen Nickel-Karenz wird dieser Wert erreicht, sodass ein Nickelmangel nicht wirklich entstehen kann. Mit unserer normalen Ernährung, vor allem einer sehr pflanzenbasierten und glutenfreien Ernährung wird die empfohlene Höchstmenge um ein Vielfaches überschritten.

Quellenangaben:

[1] https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/schwermetalle/nickel/index.htm Abgerufen am 05.11.2021

[2] Sharma A. D. (2013). Low nickel diet in dermatology. Indian journal of dermatology, 58(3), 240. https://doi.org/10.4103/0019-5154.110846

[3] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/377/dokumente/refwerte_metalle_kinder.pdf

Abgerufen am 05.11.2021

[4] Biesalski, H.-K.: Stoffwechsel und Wirkung der Nahrungsbestandteile. S. 154 In: Biesalski, H.-K., Fürst, P., Kasper, H., Kluthe, R., Pölert, W., Puchstein, C., Stähelin: Ernährungsmedizin. Thieme Verlag KG 1995. Stuttgard

[5] Köhrle, J.; Schomburg, L.; Schümann, K.: Spurenelemente und Mineralstoffe. S. 233 In: Biesalski, H.-K.; Bischoff, S.-C.; Pirlich, M.; Weimann, A.: Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. Thieme Verlag KG 2018. Stuttgart

[6] Biesalski, H.-K.: Vitamine, Spurenelemente und Minerale. Indikation, Diagnostik, Therapie. Thieme Verlag KG. 2019. Stuttgart S. 197

[7] Tallkvist J, Bowlus CL, Lönnerdal B. Effect of iron treatment on nickel absorption and gene expression of the divalent metal transporter (DMT1) by human intestinal Caco-2 cells. Pharmacol Toxicol. 2003 Mar;92(3):121-4. doi: 10.1034/j.1600-0773.2003.920303.x. PMID: 12753426. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12753426/

[8] Uter, W.; Werfel, T.; White, I.R.; Johansen, J.D. Contact Allergy: A Review of Current Problems from a Clinical Perspective. Int. J. Environ. Res. Public Health 2018, 15, 1108

[9] Heppt, W., Bachert, C.: Praktische Allergologie. Georg Thieme Verlag KG 2011. Stuttgart S. 22

[10] https://reposit.haw-hamburg.de/bitstream/20.500.12738/5108/1/ern_y_499.pdf Abgerufen am 05.11.2021

[11] Gawkrodger DJ, Cook SW, Fell GS, Hunter JA. Nickel dermatitis: the reaction to oral nickel challenge. Br J Dermatol. 1986 Jul;115(1):33-8. doi: 10.1111/j.1365-2133.1986.tb06217.x. PMID: 2942168.

[12] Institute of Medicine (US) Panel on Micronutrients. Dietary Reference Intakes for Vitamin A, Vitamin K, Arsenic, Boron, Chromium, Copper, Iodine, Iron, Manganese, Molybdenum, Nickel, Silicon, Vanadium, and Zinc. Washington (DC): National Academies Press (US); 2001. PMID: 25057538. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK222322/

[13] Körner, U., Schareina, A.: Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten in Diagnostik, Therapie und Beratung. Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG 2010. S. 195

[14] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/377/dokumente/nickel.pdf Abgerufen am 5.11.2021