Kennen Sie die Farbe Ihrer Tränen?

Kennen Sie die Farbe Ihrer Tränen?

„… Die Traurigkeit seufzte tief.

“Ach, weißt du”, begann sie zögernd und auch verwundert darüber, dass ihr tatsächlich jemand zuhören wollte, “es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest.”

Die Traurigkeit schluckte schwer.

“Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: ‘Papperlapapp, das Leben ist heiter.’ und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: ‘Gelobt sei, was hart macht.’ und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: ‘Man muss sich nur zusammenreißen.’ und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: ‘Nur Schwächlinge weinen.’ und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.”

“Oh ja”, bestätigte die alte Frau, “solche Menschen sind mir auch schon oft begegnet…” (Auszug aus dem Märchen von der traurigen Traurigkeit) 

In jeder Phase unseres Lebens werden wir von Trennung, Verlust und Abschied begleitet. Das Ende der Kindergartenzeit, die Schullaufbahn, die nicht immer mit den Ausbildungsplänen unserer Schulfreunde zusammenpasst, das Ende der ersten Liebe, der Traumberuf, der zum Albtraum wird, eine Krankheit, die uns an der Erfüllung unserer Träume hindert oder der Verlust eines geliebten Menschen, um nur einige Ereignisse zu nennen.

Die „Trauer“ ist im Laufe der Zivilisation einer destruktiven gesellschaftlichen Tabuisierungskampagne zum Opfer gefallen. Wenngleich die Fähigkeit zu trauern die einzige Möglichkeit darstellt, die Situation seelisch und körperlich unbeschadet zu durchleben. 

Die Folgen dieser Kampagne sind, dass wir uns diesem wertvollen Gefühl entfremdet haben, es sogar als fürchtenswert, bedrohlich und unsagbar schmerzhaft empfinden. Am vielen Tagen fühlt sich der Körper durch den unverarbeiteten Kummer geschwächt und krank an. Somit sind wir den unvermeidlichen Trennungen und Abschieden des Lebens hilflos, einsam und ängstlich ausgeliefert…

Ich möchte Ihnen mit meinem Beitrag und meiner Geschichte Mut machen und Sie in Ihrer Hoffnung stärken.

Viele Jahre zuvor irrte ich durchs Leben. Getrieben von Minderwertigkeitsgefühlen und nicht aufgearbeiteter Trauer. Trauer über die Scheidung meiner Eltern, Trauer über den Verlust geliebter Menschen, Trauer über zerbrochene Freundschaften, Trauer über nicht erreichte Ziele, Wünsche und Träume, Trauer über das Ende meiner Ehe und den Misserfolg meinen 3 Kindern kein stabiles Zuhause geboten zu haben. Zu all der Trauer, der Wut, der Hilflosigkeit, der Versagensangst kamen schließlich noch die chronischen Nierenbeckenentzündungen und stätig wiederkehrende Lungenentzündungen dazu. Ich war buchstäblich am Ende meiner seelischen und körperlichen Gesundheit angelangt. 

Es kam, wie es kommen musste. Nach etlichen Krankenhausaufenthalten, Ärzterallys und Therapien, beschloss ich mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. 

„Wurde ja auch Zeit!“, werden sich sicher einige von Ihnen denken. Und Sie haben absolut recht! 

Im 2. Bildungsweg erlernte ich unterschiedliche Methoden, um mir selbst, meinen Kindern und später auch meinen Klienten zu helfen. 

Eine der beeindruckendsten und nachhaltigsten Lehren war und ist die „Myroagogik“ von Dr. Jorgos Canacakis. Dr. Jorgos Canacakis entwickelte in über 30 Jahren intensiver Forschungsarbeit ein Modell und Seminarkonzept (LTUM =Lebens- und Trauerumwandlung), in welchem er altes Wissen zum Umgang mit Verlusten für die heutige Kultur adaptierte. Die Myroagogik ist u. a. inspiriert durch die Myroloja, eine uralte griechische Trauer- und Klagetradition bestehend aus Klagegesängen in improvisierter Gedichtform, Melodien und Texten, die während des Trauerrituals spontan und gemeinsam entstehen.

„Trauer ist eine arrogante Dame, sie will gesehen, gehört und verstanden werden“

Jorgos Canacakis

Wenn die Trauer, der Zorn, die Hilflosigkeit einen gefangen halten, fühlt man sich wie in einer Sackgasse der Leblosigkeit. 

Ich möchte Ihnen Mut machen, sich auf die Suche nach den Farben Ihrer Tränen zu machen. Fragen Sie sich, ob Ihre Tränen Wuttränen, Verzweiflungstränen, Protesttränen oder Liebestränen sind. Möchten Sie weiter in der Vergangenheit bleiben, oder ist es an der Zeit Glaubenssätze und Selbstzweifel loszulassen und durch lebensfördernde Gefühlsqualitäten zu einem lebendigen Herzen zurückzufinden. Sie werden erkennen, dass gelebte Trauer die Grundlage für Ihre neugewonnene Lebensenergie ist. 

Finden Sie Ihren „Herzensschatz“ und gehen Sie in eine aktive Lebensgestaltung!