Der Atem - einfach, stark und wirksam

Der Atem - einfach, stark und wirksam

Wir tun es ca. 20.000 – 25.000 x am Tag – meist unbewusst – und manchmal auch bewusst – ATMEN. Oft unbeachtet findet dieser für uns einfache und leichte – durch einen Reiz hervorgerufene – Vorgang von ein- und ausatmen statt.

Wie enorm wichtig der Atem und der damit verbundene (Energie) Austausch ist, wird für viele erst dann bedeutsam, wenn es plötzlich schwierig wird „Luft-zu-holen“ oder

Atem-Aussetzer auftreten.

Der Atem versorgt uns unter anderem mit Sauerstoff, den wir zur Aufrechterhaltung unserer Körperfunktionen und somit zum Leben brauchen. Doch er kann so viel mehr:

Das System Atem beinhaltet nicht nur die physische Komponente. Es ist einzigartig,

sehr komplex und umfasst die Bereiche Körper, Geist und das Unbewusste.

Die Atmung reagiert sehr empfindlich und unmittelbar auf Veränderungen: sowohl auf körperlicher als auch seelischer Ebene zB. Luft anhalten bei Schmerz oder wenn wir etwas Beeindruckendes sehen.

Bringen wir den Atem wieder bewusst in unser Leben, dann beginnt die Lebensfreude zu wachsen und auch die mentale und körperliche Energie wird gesteigert und verstärkt, das wiederum hat im Normalfall positive Auswirkungen auf das Immunsystem und das Wohlbefinden. Dieser lebensbejahende emotionale Zustand kann auch der Beginn von gewünschten effizienten Veränderungen im Leben sein (z. B. Neu- oder Umgestaltung des Lebensstils oder das Erreichen von (beruflichen) Zielen, …).

Durch die Konzentration auf die Atem-Bewegung und die Fokussierung auf den Vorgang des Ein- und Ausatmens ergibt sich eine zentrale Ausrichtung auf den eigenen Körper und seine Gedanken. Es entstehen Emotionen, die eine neue Basis und somit die Möglichkeit für lösungsorientierte Veränderung, bilden. Wenn man diese Übung über einige Zeit macht, beginnt sich der Körper „aufzurichten“, das heißt die Schultern gehen wieder mehr nach rückwärts, das z. B. wiederum das Durchatmen erleichtert. Eine weitere Folge durch diese (leichte) Änderung der Körperhaltung ist, eine neue physische und psychische Ausrichtung, das Entstehen neuer Blickwinkel und Perspektiven.

Durch regelmäßiges Wiederholen dieses Atem-Übung entsteht das Gefühl des Vertrauens sowohl in den Atem also auch in sich selbst. Diese Emotionsentwicklung ist individuell und an die jeweiligen Lebenserfahrungen gekoppelt, genauso wie die Bezeichnung der aufkommenden Gefühle. Jeder Mensch hat seine Empfindungen anders abgespeichert und vergibt dafür andere Benennungen. Grundsätzlich basiert dieser Prozess darauf, Neues zu erlernen, das heißt je öfter ein Vorgang wiederholt wird, desto leichter fällt es dem Probanden, er gewinnt an Zuversicht und kann das Erlernte besser ein- und umsetzen. Er gewöhnt sich an die Bewegung und alles was damit verbunden ist. Er kann beginnen sich auf andere Atem-Methoden zu konzentrieren. Das ist auch der Ausgangspunkt z.

B. für begleitete (intensivere) Atemsitzungen.

Welchen Nutzen haben Atemsitzungen oder ein manchmal bewussteres Ein- und Ausatmen? Es erhöht sich z. B. das Atemvolumen, der Entgiftungsprozess wird unterstützt, Emotionen oder Veränderungen im Leben werden durch das Atmen besser verarbeitet und integriert, und vieles mehr.

Wie fühlt es sich an mehr Atem-Volumen zu haben? Darüber machen sich nur wenige Gedanken. Die Vorstellung von etwas Banalen wie mehr Luft zu haben bzw. zu nehmen/einzuatmen als wir tun, ist im ersten Moment nicht nachzuvollziehen. Wir haben uns, an eine meist sehr flache (Brust)Atmung gewöhnt, und nutzen nie den ganzen Atemraum (Brust- und Bauchraum, Flanken) aus. Etwa vergleichbar mit der Erhöhung des Atemvolumens ist z. B. die Steigerung unserer körperlichen Kondition durch tägliches Training. Die verbesserte Form ist dann auch anderwertig im Alltag leicht ein- und umsetzbar.

Parallel zur Erhöhung des Atem-Volumens entsteht z. B. eine Verbesserung der allgemeinen Körperwahrnehmung, mit der Folge, dass z. B. das Selbstbewusstsein und die Resilienz gestärkt werden. Diese beiden Prozesse können parallel oder einzelnen behandelt werden – haben jedoch immer wieder Wechselwirkungen aufeinander. Sie durchlaufen mehrere Phasen und sind sehr individuelle Vorgänge, die abhängig von der jeweiligen Ausgangsposition sind, dem Einlassen auf den Verlauf und dem Erreichen-(Wollens) des persönlich gesteckten Ziels. Wichtig ist auch hier die Individualität zu wahren und zu berücksichtigen. Jeder erlebt seinen eigenen Atem-Prozess und der ist einzigartig. Es gilt: es gibt kein richtig oder falsch.

Der Atem bietet eine große Bandbreite an Möglichkeiten um sich neu auszurichten (z.B. Verarbeitung von div. Krisen, Ängsten, Trauer, bessere körperliche Wahrnehmung, Akzeptanz seines Körpers, Zulassen von Berührung, Steigerung des Libido, etc.), sich selbst besser kennenzulernen und das Immunsystem anzukurbeln. Er ist einfach zu handhaben und immer verfügbar.

Optimal und ratsam ist es, sich bei seiner „Atem-Entdeckungs-Reise“ von einer/m Atem-TrainerIn unterstützen zu lassen. Durch Gespräche und dem Austausch mit anderen Gleichgesinnten/Atem-TrainerIn kann das Erlebte und Geschehene während der Atem-Sitzung meist besser benannt, reflektiert oder erkannt werden.  Durch die Impulse und Anregungen entsteht ein Gefühl der Sicherheit und kreatives Lösungsdenken kann sich ausbreiten.

Der Atem ist unser ständiger Begleiter. Wir lernen mit ihm und von ihm das Leben anzunehmen, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und Ja zum Leben zu sagen. Verändern wir den Atemrhythmus, dann verändern wir uns.

Nehmen wir unseren Atem bewusster wahr und passen die Lebensweise an den Atem an, indem wir öfter mal einige Augenblicke innehalten, ein paar Mal intensiver ein- und ausatmen; dem Atem nachspüren wie er sich in unserem Körper ausbreitet. Erlauben wir uns, bei (wunder)schönen und angenehmen Situationen die Luft intensiver einzuatmen um diese Gefühle anzunehmen, zu speichern und zu integrieren. Es wird sich dadurch die Qualität unseres Lebens positiv verändern.

Atmen heißt Leben. Leben bedeutet atmen.

Fotocredit: Igor/Adobe Stock