Was, wenn's nicht mehr geht? - Sex

Was, wenn's nicht mehr geht? - Sex

Wie kann Sexualität bei diesen Einschränkungen dennoch gelebt werden und gut gelingen?

Natürlich sind bei solchen Beschwerden Intimität, Loslassen und in´s Gefühl kommen schwer möglich. Dennoch ist es wichtig, das MITeinander nicht zu VERlernen!
Das Paar sollte sich an dem bereits Erlebten orientieren und dies Zelebrieren. ALLES, dass schon mal Freude und Genuß gebracht hat sollte nicht in Vergessenheit geraten und immer wieder neu versucht werden.
Genauso ist es ein hilfreicher Akt, die Zweisamkeit in gewisser “Absprache” vorher genau zu erörtern. Das Vorher kann wichtiger Bestandteil des Zulassens werden; denn das Vertrauen, dass der Partner HEUTE genau weiß, wie weit er gehen darf und was nicht leicht geht, weil heute das Befinden so ist, kann tiefes Vertrauen in ein Gefühl der Verschmelzung enden lassen. 

Genauso schön ist es auch die Zweisamkeit zu planen – ein gewisser Tag und die Uhrzeit sollten hierbei festgelegt werden, auch das Setting ist im Vorhinein gemeinsam zu überlegen. Dann hat jeder Einzelne genug Zeit, Einfühlungsvermögen, Fantasie und Vorfreude auf diesen Zeitpunkt zu fokusieren und so wird das “zu Erwartende” eine Besonderheit, auf das sich beide Partner freuen und diesem entgegenfiebern, vielleicht auch noch das Ein oder Andere dazu vorbereiten und wird der Zeitpunkt des “Einlösens” so zur Besonderheit! 

Darüber hinaus kann mit verschiedenen Ölen und Gleitgels (siehe Rubrik der Empfehlungen) den momentanen Umständen die Beschwerden lindern und Erleichterung bringen. Ein gutes, lange gleitfreudiges Gleitgel kann so auch intime Berührungen lustvoller gestalten. 
Wenn der Körper schmerzt kann auch eine “erotische Fußmassage” sehr tiefenentspannend sein…. eine Kopfmassage mit Küssen abgerundet genau so emotional befriedigend wirken…. Auch Massagen mit besonders hochwertigen Ölen in denen die Aromatherapie zum Wirken kommt ….an Stellen, die nicht schmerzen, oder die zur Zeit nicht betroffen sind wirken wahre Wunder! 

In vielen Köpfen ist die Sexualität so verankert, dass Sie mit einer Penetration, mit der Ejakulation und Orgasmus beim Mann und mit dem Orgasmus der Frau beim Geschlechtsverkehr mit Penetration zu enden hat.

SEX ist aber weit mehr! Sex ist auch ein totales Hingeben beim Felatius oder Cunnilingus. So darf sich die Frau völlig ohne “Aktiv” zu werden den Genüssen und “Geschenken” des Mannes bei der oralen Befriedigung hingeben.
In einem anderen Setting ist dann der Mann der “Beschenkte”!

Auch in Hinblick auf die Klitoris gibt es hier in den Köpfen vieler großes Unverständnis: so ist die Klitoris der Frau viel größer als gegebenenfalls angenommen. Eine (zeitlich uneingeschränkte) Liebkosung, Massage und Streicheleinheiten NUR auf die gesamte Klitoris angewandt kann die Frau ohne viel körperlichen Kontakt auch in schlechten Tagen besser aushalten…. und sollte diese auch einfordern, so ihr andere Nähe nicht möglich ist.

Männer sollten sich überlegen, welche Art der Berührung nur am Genital ihnen Lust bereitet und dies besprechen, einladen zu experimentieren und nach Möglichkeit zu erproben.

Ganz einfach auch ein neues Rollenbild in der Sexualität ein zu bringen ist es sich mit “Spielzeug” auseinander zu setzen.
Ein schmaler Vibrator, der sehr viele Intensitäten, viele Vibrationsmuster und eine angenehme Struktur bietet, sollte in keinem guten Haushalt fehlen!
Einer, der für die Frau als freudvoller Begleiter alleine oder beim gemeinsamen Weg in der sexuellen Empfindung eingebracht und schnell zur Hand ist…

Zum Beispiel Fa. Svakom – medizinisches Silikon – klein und handlich mit vielen Überraschungen! Hier: DAISY – wiederaufladbar; dünn, klein aber OHO!
Oder Fa.  FunFactory – medizinisches Elastomed – LAYA (schon die zweite Generation) kommt als handlicher “Auflegevibrator” daher und erfreut schon seit vielen Jahren Frau und Mann!… gilt er als genialer Klitoris Stimulator genauso wie G-Punkt finder und für den Mann kann die gebogene, abgerundete Form auch am Penis und Penisschaft ungeahnte Erfahrungen bringen, auch herrlich um bei beiden Partnern das Areal um den Anus neu zu entdecken!

Was können Paare in Phasen der völligen körperlichen Abstinenz tun, um Nähe zu leben?

Das Leben besteht aus vielen Genüssen! Betroffene können sich mit sich selbst, und in einer Partnerschaft jeder einzelne sowie im Gemeinsamen überlegen, was ihnen neben dem Sex und der gelebten Sexualität noch Freude und Genuss bereitet.
Das Essen zB ist eine sexuelle Erfahrung, die oft unterschätzt oder nicht wahrgenommen wird. Die orale Stimulanz und der Genuss von Speisen liegt sehr nah dem Erleben in der Sexualität. Liebevoll gemeinsam zubereitete Speisen in einem “sexuellen Setting” hergestellt und auch eingenommen, kann eine Erweiterung der sexuellen Zweisamkeit darstellen. So könnte die Zubereitung nackt oder spärlich bis sexy bekleidet eine neue Form der Gemeinsamkeit in Erfahrung bringen. Auch das so zubereitete Mahl wird in diesem Setting mit Kerzenlicht und guter Musik sowie der (neuen) Einstellung zu etwas “Besonderen!”

DAS Sexuelle liegt immer in der Luft; so wir diesem “Raum” geben!
So ist eine liebevolle Umarmung, ein flüchtiger, inniger Kuss, ein tiefer Blick in die Augen oft sinnlicher und erotisierender als penetrative Verbundenheit.
Verbundenheit insbesondere schwebt nahezu minütlich und immer zwischen einem Paar – der Hinblick, dass “Sexualität” immer mit inniglicher Verschmelzung einhergehen muss ist in vielen Köpfen fest verankert.
“DAS Sexuelle” kann als viel Feinstöfflicheres betrachtet und gelebt werden!

Dazu ist es vielleicht ratsam sich in die Welt des TANTRAs und der tantrischen Berührung Einblick zu verschaffen und dies mit allen Facetten in das Tägliche zu integrieren. Bei vielen Menschen, die Berührung körperlich und auch emotional schwer ertragen können ist das oft ein ganz neuer Zugang; auch zu sich selbst. In der Partnerschaft werden im Weiteren auch Kleinigkeiten früher wahrgenommen, die Zwischenmenschlichkeit bekommt andere Werte und so wird die Sexualität in eine ganz neue Ebene gehoben.

Welche emotionalen Kompetenzen benötigt das Paar? Wie kann es solche entwickeln?

Sich auf das Wesentliche konzentrieren!

Sich bewusst werden, WAS man am Partner hat; wieviel Schönes man schon durchlebt hat; dem “schönen” Raum geben!
Oft ist ein liebevoller Gedanke und die Sicherheit nicht ALLEIN zu sein schon wieder kraftspendend und lässt uns positiv denken!
Zu schätzen, was man hat – sich auf den Partner immer verlassen zu können weckt das Urvertrauen; auch in sich selbst.
Körperliche, seelische und emotionale Tiefpunkte erleben alle Paare – auch jeder für sich – die Sicherheit und das Vertrauen helfen da, sich nicht einsam, verlasen und hilflos zu fühlen.

Vielleicht hilft da auch der ein oder andere Ratgeber in Form eines Buches. Jedenfalls sollte sich jeder Mensch immer weiterbilden, seine Fähigkeiten erforschen und hinterfragen, neues ausprobieren und die eigene emotionale Kompetenz stetig erweitern.
Gerade in sexueller Hinsicht! Wir wandeln uns in gut 7 Jahren immer wieder – auch die Wünsche und Bedürfnisse ändern sich – und das Sexuelle erst Recht!

Hier möchte ich auch gern eine Buchempfehlung aussprechen:
“Erotische Intelligenz” von Anne Heintze; “Klitoris – die unbekannte Schöne” von Rebecca Chalker; “Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe” von John M. Gottman sowie ein Klassiker von Diana Richardson “Slow Sex” – Zeit finden für die Liebe

Was tun, wenn die Trennung mangels gemeinsamen sexuellen Erlebens im Raum steht?

Hier muss man sicherlich genauer hinsehen und es empfiehlt sich den Beistand eines Paarpsycholog*In, eines Dipl. Sexualpädagog*In in Erwägung ziehen. Wenn eine gewisse Zweisamkeit und Vertrauen noch Gegenwärtig ist und der Augenmerk auf das Nichterleben der Sexualität (in Hinblick auf das Jetzt) möglich ist, dann kann das Paar und jeder einzelne daran arbeiten. Die Beziehung nur auf dem Erlebten oder nicht erlebten Sex zu reduzieren und dabei unglücklich zu sein ist oft Resultat einer einsichtigen Betrachtungsweise. Hier kann der Therapeut*In oft hilfreich sein, andere Werte wieder mit ein zu beziehen und die emotionale Ebene zu stärken.

Meist leiden die Männer unter den Einschränkungen, was kann man Ihnen raten?  

Oft sind die Männer die treibende Kraft  – oft fühlen sich die Frauen dadurch ge&(be)drängt und geben nach.Mit schlechten Erfahrungen, die dann später zu völligem Ablehnen dessen vom Mann Gewünschte endet.
Männer sind dann schon im Vorhinhein gekränkt und leiden an dem “nichtausleben des männlichen”. Sie wollen der “starke Part” der “Verführer” der “Eroberer” sein…..

Ich lade in solchen Situationen gerne die Männer ein auch ihre weibliche Seite kennen zu lernen und diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen – da entsteht dann sehr schnell ein besseres Einfühlungsvermögen in die Frau als Partner und der Frust wird dezimiert.

Es ist auch so, dass Männer nicht so leicht über Gefühle, Emotionen, Gedanken und ja Ängste sprechen können. Sie schlucken oft jahrelang und haben nicht gelernt sich mit zu teilen.
Wenn die Sexualität in Form von Befriedigung der Geschlechtsteile im Kopf eines Mannes so fest verankert ist, dann ist es dann nur das, das was zufrieden stellt.
Mann darf auch über den Tellerrand blicken und seine Männlichkeit neu definieren.
So kann ein gemeinsames Masturbieren vielleicht auch vor einem Spiegel; ein gegenseitiges Vorlesen von erotischen Geschichten, die man sich selbst ausdenkt und so die Wünsche und Fantasien auf den Tisch bringen kann, eine Möglichkeit der Diskussion über die Vorlieben, sexuellen Fantasien und vielleicht auch Fetische, auf alle Fälle aber der Begehrlichkeiten zu jedem Zeitpunkt erlösend sein, um nicht im Stillen zu leiden, um irgendwann dann nicht mehr zu können oder zu wollen.